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Haustyp: Mühle mit
Wohnhaus und Anbau, Fachwerk. Das Anwesen stand ursprünglich in der Nähe
der Lohmühle bei Bobenhausen II. Dort wird es abgebaut und in Wohnfeld
wieder aufgebaut.
Hausgeschichte: Es
dreht sich noch, das oberschlächtige Mühlrad. Und auch von der Mühlentechnik
der stolzen Hahnmühle in Wohnfeld ist noch einiges intakt. Doch Korn
wird nicht mehr gemahlen. Dabei gibt es Kundschaft zur Genüge, als
Ottilie Altensen und ihr Sohn Hans Ernst im Jahre 1982 das Mahlen
aufgeben. Es rentiert sich eben nicht mehr. Zuvor, in den unsicheren
Zeiten der Währungsreform, 1948, wird die Ehe der Bäuerin Ottilie
Schombert aus Groß Eichen mit dem Müllersohn Gustav Altensen aus
Wohnfeld geschlossen.
Es ist ein mühseliger
Broterwerb. Die Mühlsteine und später dann das Walzenpaar des
Walzenstuhls laufen so gut wie jeden Tag und bringen das Gebälk zum
Zittern. Aus etlichen Dörfern der heutigen Großgemeinde Ulrichstein,
der höchstgelegenen Stadt Hessens, holte man das Korn zum Vermahlen,
wann immer die Bauern Mehl zum Brotbacken benötigten. Später werden
dann die Bäcker beliefert, die im Auftrag der Kunden backen.
So ist dem "Müller
Kalender" des Ur-Großvaters zu entnehmen, dass am 25. Februar 1904
für einen Heinrich Dietz aus Sellnrod 50 Kilogramm Korn zu einem
Mahlpreis von 1,50 Mark vermahlen worden ist. Einträge von Mahlkunden
wie August Roth und Isaak Kratz aus Bobenhausen II oder Heinrich Stein
aus Feldkrücken und weiteren Bauern aus Kölzenhain, Wohnfeld und
Altenhain legen Zeugnis ab vom lokal begrenzten Kundeneinzug. Und immer
wieder ist es nicht viel mehr als ein Zentner, der zum Mahlen anstand.
Man ließ nur für den unmittelbaren Gebrauch mahlen.
Das Alter der Hahnmühle ist
nicht bekannt, auch nicht das Datum ihres Umzugs. Ursprünglich stand
die Mühle auf der Mooswiese in der Nähe der Lohmühle bei Bobenhausen
II. Dort wird sie vor etlichen hundert Jahren aus unbekannten Gründen
abgebaut und in dem nur wenige Kilometer entfernten Wohnfeld am gleichen
Gewässer, dem Streitbach, wieder aufgebaut.
Bis 1970 leistet die Müllerfamilie
Altensen mit ihren beiden kräftigen Pferden Spanndienste, holt Korn und
liefert Mehl zurück. Gut zwei Mal in der Woche werden dann die Pferde
angespannt, denn einen Traktor hat man nicht. Um die 40 Zentner können
die Pferde ziehen. Zwei weitere Pferde, im Nachbardorf ausgeliehen, müssen
jedoch immer dann zusätzlich vorgespannt werden, wenn es gilt, mit den
prall gefüllten Getreidesäcken die steile Steigung von Bobenhausen II
nach Wohnfeld zu bewältigen.
Zum Leben reichte das Müllern
hinten und vorne nicht. Und so betreibt die Vogelsberger Müllerfamilie
ein wenig Landwirtschaft, hält sich Kühe und zwei Pferde.
Wie Perlen an einer Schnur
reihen sich die Mühlen entlang der Bäche. Die acht Dörfer der Stadt
Ulrichstein verfügen im Jahre 1661 über 31 Mühlen. Allein in Wohnfeld
zählt man 1684 drei Mühlen, 1827 sind es derern fünf (Rappelmühle,
Schneidtmühle, Hofmannsmühle, Dorfmühle und die Hahnmühle). Sie
mahlen nicht nur Getreide, sondern verfügten alle auch über einen
sogenannten Schlaggang zur Ölgewinnung. Noch in den fünfziger Jahren
muss die Hahnmühle mit zwei lokalen Mühlen konkurrieren ‑ mit
der Mühle der Familie Wild in Sellnrod und der Lohmühle bei
Bobenhausen II.
Ganz schlimm sind die
frostreichen Winter. Wehe, wenn der Nachtfrost kommt und der Mühlgraben
nicht umgeleitet ist. Da friert das Mühlrad ein und muß mit Pickel und Stangen vom Eis befreit werden. Doch auch der
Sommer hat seine Tücken, wenn das Wasser versiegt. Dann muss der
Dieselmotor, der 1920 die zuvor betriebene Dampfmaschine abgelöst hat,
das stillstehende Mühlrad ersetzen, was den Verdienst des Müller drückt.
Ob Eis oder Trockenheit, immer wieder steht das Mühlrad, das nie durch
eine Turbine ersetzt worden ist.
Instandgesetzt ist heute das
oberschlächtige Mühlrad. Hier hat Eisen bereits 1946 die Speichen und
Schaufeln aus Holz ersetzt. 1980 steht die letzte Renovierung an und
1992 wird der hölzerne Wellbaum durch Stahl ausgetauscht. Dabei benutzt
der findige Müller eine Achse von einem Eisenbahnwaggon, dem er die Räder
demontiert hat.
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