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Haustyp: Vogelsberger
"Streckhof". Wohnhaus, Stall und Scheune sind unter einem
gemeinsamen Dach untergebracht. Der mittlere Wohnteil wird 1686 erbaut.
Im linken Teil, nachträglich angebaut, sind der Pferdestall und die
Wagnerwerkstatt untergebracht. Ein Vorgängeranbau wird 1812 durch einen
Großbrand vernichtet. Im rechten Teil, Ende der Jahrhundertwende
angebaut, befinden sich Stall und Scheune, 1995 zu Wohnzwecken
ausgebaut. Wie alle älteren Vogelsberger Streckhöfe ist auch dieses
Haus mit einem Kriechkeller teilunterkellert. Nur in gebückter Haltung
sind diese Keller begehbar. Das gesamte Anwesen steht unter
Denkmalschutz, ebenso die benachbarte Fachwerkkirche.
Hausgeschichte:
Man lebt in einem Haus, das fast vier Jahrzehnte nach dem 30jährigen
Krieg erbaut wurde. Es ist eines der ältesten Häuser in Wohnfeld. Alt
ist auch die angrenzende Kirche. Sie beruht auf einem Vorgängerbau der
urkundlich erstmals 1628 erwähnt wird. Demnach soll die kleine Kapelle
eher einem Schweinestall als einer Kirche ähnlich gewesen sein. Auch
1710 ist das Kirchlein keine Zierde Wohnfelds. In einer Eingabe heißt
es: "...gantz wüsten, mehr einem Stall als Gotteshauss
gleichenden, weder mit einer Cantzel, noch Bänken versehenen und noch
über das alten und ohnedem den Einsturz dräuenden Kirchlein."
Doch es dauert noch 75 Jahre, bis die alte abgerissen und auf ihrem
Fundament 1785/87 eine neue Kirche errichtet wird.
Einer der drei Wagner,
Radmacher oder auch Stellmacher genannt, die Wohnfeld im Laufe seiner
nachvollziehbaren Geschichte aufzuweisen hat, lebt in diesem Haus.
Die oftmals in schlechter
Ausführung vorgenommenen Umbauten und Erweiterungen an den Vogelsberger
Bauernhäusern sind kein Phänomen der Moderne. So genehmigt das
Hessische Hochbauamt, Zweigstelle Schotten, im Jahre 1938 Herrn Adam
Roth zwar den Bau eines Schuppens. Jedoch werden unter "Besondere
Bedingungen" Auflagen erteilt. Danach gilt:
"Mit Rücksicht auf die
unter Denkmalschutz stehende Kirche und ihrer Umgebung wird eine
besonders saubere Ausführung des Schuppens verlangt. Insbesondere ist
die Schauseite und die Seite nach der Kirche sauber mit gleichbreiten
Brettern zu verschalen, mit Deckleisten zu versehen und in gefälligem
Ton zu streichen." Adam Roth, der bereits moderne Falzziegel für
die Deckung des Schuppens gekauft hat, muss diese für den Schweinestall
benutzen. Denn die Auflage sieht vor: "Als Ziegel sind Blattziegel
(keine Falzziegel) zu verwenden."
Auch der Stall, der nachträglich
an den linken Giebel angebaut wird, hat seine Geschichte. Am heute
verdeckten Giebel kann man im Stallinneren noch die geschnitzten Füllhölzer
in Schuppenmanier bewundern. Hier werden die beiden Pferde
untergebracht. Mit ihnen geht man bis 1961 auf den Acker, dann kommt,
die Flurbereinigung ist abgeschlossen, der erste Traktor.
Der schattenspendende Baum,
eine riesige Ulme, geht 1975 den Weg so vieler Vogelsberger Hausbäume,
sie wird gefällt und nicht mehr ersetzt.
Zurückführbar sind die
Generationen, die in diesem Haus gelebt haben, bis 1787, als Johannes
Roth, Bürgermeister von Wohnfeld, hier geboren wird. Er heiratet 1819
Anna Elisabeth Rahn aus Wohnfeld. Aus der Ehe geht Johann Adam Roth
hervor, der sich 1868 mit Anna Magaretha Hofmann aus Wohnfeld
verheiratet. Drei Kinder stammen aus der Ehe.
Wie der Großvater wird auch der
Sohn Georg Roth Bürgermeister und bleibt es bis zum Beginn der
Naziherrschaft. Der zweite Sohn, Adam Roth III übernimmt den Hof und
heiratet 1890 die aus Wohnfeld stammende Regina Hofmann. Aus der Ehe
geht Ludwig Roth als einziges Kind hervor.
Bleibt
man bisher im Dorf, wird nun erstmals von außen eingeheiratet.
Eigentlich heiratet man den Berg hinunter und nicht hinauf. Marie Jung
jedoch macht eine Ausnahme und zieht von Sellnrod nach Wohnfeld, um
Ludwig Roth im Jahre 1950 zu heiraten. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor,
Ernst-Ludwig.
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