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Es gibt nicht mehr viele
Dörfer im Vogelsberg, die einen derart ursprünglichen Charakter
aufweisen wie Wohnfeld. Wo andernorts die alten Dorfkerne zerfallen, die
eichenholzbewährten und lehmhaftigen Zeugen der Vergangenheit
verschwinden und mit ihnen der einmalige, unwiederbringliche Charakter
des Dorfes, trifft man in Wohnfeld noch ein weitgehend intaktes
Dorfzentrum an.
So lag die Idee nahe,
diese anmutigen Fachwerkhäuser im Rahmen der Feierlichkeiten der 650.
Wiederkehr der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Dorfes Wohnfeld
in das Fest einzubinden. Die 650-Jahrfeier am 7. September 2003 wird
eine Darstellung der Dorfgeschichte anhand seiner vielen gut erhaltenen
Bauernhäusern sein. Sie bilden das Rückgrad des ungewöhnlichen
Dorffestes.
In den Vorhöfen,
Scheunen und engen Gassen werden etliche Musikdarbietungen und eine
Theateraufführung stattfinden, umrahmt von Darbietung alter
Handwerksfertigkeiten und vielen Ständen. Etliche Einwohner kleiden
sich in historische Kostüme.
In wildromantischer
Umgebung an einem ehemaligen Kaufmannshaus treten Bettina Kaminski und
Reinhard Hinzpeter auf. Die beiden Wohnfelder Schauspieler vom Freien
Schauspiel Ensemble "Philantropin" Frankfurt am Main, zeigen
unter dem Titel "Tolldreiste Geschichten", Sketche aus der
alltäglichen verrückten Welt.
Mit Simon Wahby, Kantor
der evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld, konnte ein exzellenter
Orgelspieler gewonnen werden, der das unterforderte Orgelwerk aus dem
Jahre 1800 der Wohnfelder Fachwerkkirche zum Jubilieren bringen wird. Über
den Tag verteilt wird Wahby die Geschichte des Dorfes in seinen Orgelstücken
aus mehreren Jahrhunderten wiederspiegeln. Sechs ungewöhnlichen
Instrumenten wie Fuchsschwanz und Wasserschlauch begleitet ihn. Die
Proben zeigten, welch eine Kraft in dem bisher unterforderten unter
Denkmalschutz stehenden Orgelwerk steckt.
Den Worten des
Hessischen Kulturministers Udo Corts folgend, "...ich habe den
erfreulichen Eindruck, dass nicht nur die Künstler, "die
Kulturmacher", sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger
inzwischen ihren Kultursommer zu "ihrer Sache" gemacht
haben," werden auch in Wohnfeld allesamt Musizierende der Region
Vogelsberg/Wetterau auftreten.
Da greift eine
Politologin zum Cello, begleitet von einem siebzigjährigen Landwirt auf
dem Akkordeon, der wiederum von seinem gleichaltrigen Freund virtuos auf
der Geige unterstütz wird. Das Duo wird auch musizierend durch Dorf
ziehen.
Die Gruppe der
regionalen Musikanten wird von einerjungen Mutter ergänzt, die wohl das
ungewöhnlichste Instrument stellt, einen Fuchsschwanz. Im Kindesalter
durch die "singende Säge" in Pippi Langstrumpf inspiriert,
legte sie sich einen speziellen, 250 Euro teuren Fuchsschwanz aus gehärtetem
Stahl mit Überlänge zu und spielte in verschiedene Bands. Es handelt
sich also um ein anerkanntes Musikinstrument. Zur Überraschung der
Musiker klappt die akustische Paarung aus Fuchsschwanz und Orgel der
beiden ungleichen Instrumente auf Anhieb.
Gut eingebunden konnte
auch ein Profi werden, einstudierte Musiker und Dozent für Trompete.
Erstmalig wird ein Stück "Choralbearbeitung für Trompete und
Orgel", die Melodie stammt aus dem Jahre 1660, auf drei
Instrumenten vorgetragen, einer Barocktrompete, einer modernen Trompete
und einem Wasserschlauch. Dabei steht der Wasserschlauch in seiner
Ausdrucksstärke den Trompeten in nichts nach, wie es die ersten Proben
verblüfft zeigten.
Mit von der Partie ist
auch die Ballhaus-Compagnie aus Herbstein. Sie wird mit ihren meist
selbst geschriebenen feinfühligen Stücken auf Keyboard und Dudelsack
die 650-Jahr-Feier bereichern und auch an der Duett-Darbietung des
Kultursommers teilnehmen. Die ungewöhnliche Paarung aus Orgel und
Dudelsack gelingt verblüffend harmonisch, hatte man anfänglich doch
Sorge, dass das mächtige Instrument die zarte Orgel akustisch in die
Knie zwingen und die Zuhörer in die Flucht schlagen könnte. Mit den
"Drei Oberhessen" wiederum wird das Bedürfnis nach kräftiger
Volksmusik gestillt - außerhalb der Kirche.
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